Erinnerungen von P. Fidelis Ruppert OSB an Bischof em. Paul-Werner Scheele

Zum Tod von Bischof em. Paul Werner Scheele erinnert sich P. Fidelis an die Begegnungen während seiner Zeit als Abt - und an eine Überraschung bei seiner Abtsweihe.

Meine früheste Erinnerung an Paul-Werner Scheele geht zurück in die Zeit, als er Doktorand in Würzburg war und besonders bekannt fürs Fußballspielen, manchmal auch auf unserem Sportplatz im Kolleg St. Benedikt. In jener Zeit hatte er sein erstes Buch "Opfer des Wortes" veröffentlicht, eine umfangreiche Sammlung von Gebeten aus allen Kulturen und Religionen. Das war damals in den frühen 1960-er Jahren noch eine Seltenheit. Ich war von diesem Buch begeistert, denn es öffnete mir schon zu Beginn meines Studiums die Augen für die geistlichen Reichtümer anderer Kulturen und Religionen.

Eine intensive Begegnung war mein Doktorexamen in Dogmatik im Jahre 1971. Paul-Werner Scheele war zu dieser Zeit Professor für Dogmatik. Das Examen gestaltete sich nicht als Abfragen von Wissen, sondern es war ein sehr lebendiger Austausch über verschiedene Ansätze in der Christologie.

Zur Vorbereitung hatte er mir unter anderem die "Theologie der drei Tage" von Hans Urs von Balthasar empfohlen, der dort eine Christologie aus der Liturgie der Heiligen Woche entwickelt hat, eine Christologie, die man nicht so sehr denkt, sondern feiert. Das ist etwas, das mich bis heute prägt und mit Paul-Werner verbindet.

Abt Fidelis und Bischof Paul-Werner

Der nächste wichtige Punkt war die Abtsweihe 1982, wo er meinen Wahlspruch "Ihr seid alle Brüder" (Mt 23,8) als Predigtthema nahm und sehr persönlich auslegte. In Erinnerung blieb auch, dass es eine relativ kurze Predigt war, was man von ihm nicht unbedingt erwarten konnte. Während meiner Amtszeit gab es dann viele Begegnungen mit Bischof Paul-Werner, die immer von Wohlwollen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt waren.

Einige Jahre später kamen dann die gemeinsamen Überlegungen wegen einer diözesanen Partnerschaft mit Mbinga. Anlass war das große Kiliansjubiläum 1989, bei dem man sich erinnerte, dass wir unseren Glauben fremden Missionaren verdanken, die von Irland kamen. Aus Dank dafür wollte man mit einer Missionsdiözese eine Partnerschaft gründen.

Ursprünglich überlegte man eine Partnerschaft mit einer Diözese in Südafrika, um während der damals noch bestehenden Apartheid ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Zu dieser Zeit wurde aber die Diözese Songea in Tanzania in drei Diözesen aufgeteilt. Deshalb empfahl ich, eine dieser neuen Diözesen zu nehmen und beim Aufbau zu helfen.

Der Vorteil war dann, dass wir Benediktiner auch dort präsent sind und deshalb immer Ansprechpartner da sind, mit denen man sich gut austauschen kann, während solche Kontakte nach Südafrika nicht vorhanden waren. Deshalb entschied man sich schließlich für Mbinga in Tanzania.

Paul-Werner Scheele bleibt bei mir in einer sehr lebendigen Erinnerung, vor allem auch als ein Mensch, der eine große Ruhe ausstrahlte. Manche hätten sich lieber gewünscht, dass er gelegentlich etwas dynamischer an Probleme heranginge, aber ich denke, in einer Zeit vielseitiger Aufregungen ist es ein Segen, wenn ein Mensch in dieser Position Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, eine Gelassenheit, die aus einem tiefen Gottvertrauen kommt.

Von P. Fidelis Ruppert OSB

Über P. Fidelis Ruppert OSB

Am 5. November 1982 wurde P. Fidelis Ruppert vom Konvent zum 4. Abt nach der Wiederbegründung gewählt. Am 23. November 1982, dem Fest der Klosterpatronin Felizitas, empfing er durch den Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele die Benediktion.

Am 24. April 2006, dem Gedenktag seines Namenspatrons, des heiligen Fidelis von Sigmaringen, trat er im Alter von 68 Jahren von seinem Amt zurück. Nach der Weihe seines Nachfolgers verbrachte er einige Monate in afrikanischen Klöstern der Kongregation. Seit seiner Rückkehr in die Abtei lebt er ohne Würden eines emeritierten Abtes in der Gemeinschaft.

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